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Texte:
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Das ist das Archiv für alle Texte, die ich nicht eindeutig zuordnen kann.
Um eine gewisse Ordnung beizubehalten, habe ich die einzelnen Texte mit zum Teil willkürlich
gewählten Überschriften versehen, damit man schneller zu den Bereichen kommt. Es ist
mein Ziel, die Texte allmählich vom ungeordneten Archiv entweder in einzelne Unterbereiche
oder hierher zu bringen. Die Texte sollen sowohl zur Korrektur eigener Arbeiten als auch zur Übung herangezogen werden können. Für Anfragen stehe ich gerne zur Verfügung. |
Text:
Inter quas Phoenissa recens a vulnere Dido
errabat silva in magna. Quam Troius heros
ut primum iuxta stetit agnovitque per umbras
obscuram, qualem primo qui surgere mense
aut videt aut vidisse putat per nubila lunam,
demisit lacrimas dulcique adfatus amore est:
"infelix Dido, verus mihi nuntius ergo
venerat exstinctam ferroque extrema secutam.
Funeris heu tibi causa fui! Per sidera iuro,
per superos et si qua fides tellure sub ima est:
Invitus, regina, tuo de litore cessi.
Sed me iussa deum, quae nunc has ire per umbras,
per loca senta situ cogunt noctemque profundam,
imperiis egere suis; nec credere quivi
hunc tantum tibi me discessu ferre dolorem.
Siste gradum teque aspectu ne subtrahe nostro!
Quem fugis? Extremum fato, quod te adloquor, hoc est."
Talibus Aeneas ardentem et torva tuentem
lenibat dictis animum lacrimasque ciebat.
Illa solo fixos oculos aversa tenebat
nec magis incepto vultum sermone movetur,
quam si dura silex aut stet Marpesia cautes.
Tandem corripuit sese atque inimica refugit
in nemus umbriferum, coniunx ubi pristinus illi
respondet curis aequatque Sychaeus amorem.
Nec minus Aeneas, casu percussus iniquo,
prosequitur lacrimis longe et miseratur euntem.
Übersetzung:
Unter ihnen irrte die eben erst verwundete Phoenikierin Dido im großen
Wald umher. Sobald der Held aus Troja nahe bei ihr stand und durch die Schatten
sie undeutlich wahrnahm, so wie jemand am Anfang des Monats (primo mense) den
Mond durch die Nebelschleier aufsteigen sieht oder glaubt, dass er ihn gesehen
hat, vergoss er Tränen und sprach mit süßer Liebe: "Unglückliche
Dido, eine wahre Botschaft war mir also überbracht worden, dass du tot
bist und durch das Eisen dein Leben beedet hast. Ach, ich war der Grund für
deinen Tod! Bei den Sternen schwöre ich, bei den Göttern und wenn
es tief unter der Erde eine Treue gibt: Gegen meinen Willen, Königin, ging
ich von deiner Küste weg. Aber mich haben die Befehle der Götter,
die mich nun dazu zwingen, durch diese Schatten zu gehen, diese wegen des Moders
rauhe Gegend und die pechschwarze Nacht: Sie trieben mich mit ihren Befehlen!
Ich konnte nicht glauben, dass du durch meine Abreise einen so großen
Schmerz ertragen hast. Bleibe stehen und entziehe dich nicht meinem Anblick.
Vor wem fliehst du? Dies ist das letzte Mal, dass ich mit dir spreche."
Mit solchen Worten versuchte Aeneas den brennenden Sinn und den grimmigen Blick
zu mildern und weinte. Jene hielt ihre Augen abgewandt und starrte auf den Boden,
und nicht mehr wurde ihre Miene bewegt durch die begonnene Rede, wie wenn harter
Marmor dastünde oder harter Stein. Schließlich raffte sie sich auf
und flüchtete als Feindin in einen schattigen Hain, wo ojr ehemaliger Gatte
Sychaeus jener auf die Sorgen antwortete und die Liebe erwiderte. Trotzdem verabschiedete
Aeneas, erschüttert durch das ungerechte Schicksal, unter Tränen und
bedauerte sie, als sie wegging.
Text:
Mercatores peregrinimagnum lucrum facturi res admirabiles in oppida graeca apportabant.
Multi enim cives luxuriae se se dabant et vitam mollem agebant. Virtutem autem
vitamque honestam et rectam non quaerebant. Eo tempore Diogenes, qui nulla re
se egere demonstrabant, varias contumelias dixit cives suos lacessiturus. Sine
dubio eius barba longa, crines promissi, vestimentum simplex et rude homines
deterruit. Quod paene omnes res sprevit, imprimis suspicionem civium opulentorum
movit.
Übersetzung:
Die fremden Händler wollten einen großen Gewinn erzielen und brachten
bewundernswerte Gegenstände in die griechischen Städte. Denn viele
Bürger gaben sich dem Luxus hin und wollten ein angenehmes Leben führen.
Tugend aber und ein ehrenhaftes und richtiges Leben suchten sie nicht. Zu jener
Zeit sprach Diogenes, der offen zeigte, dass er keiner Sache entbehrte, Schmähungen,
um seine Mitbürger zu reizen. Zweifellos schreckten sein langer Bart, seine
herabhängenden Haare, seine einfache und schmucklose Kleidung die Menschen
ab. Weil er fast alle Dinge verachtete, erregte er besonders den Verdacht der
wohlhabenden Bürger.
Text:
Brutus: Quem fallit, quid Caesar fieri velit? Id solum agit, ut rex fiat, ne
finis sit licentiae et libidini suae! Quod si fieret, de libera re publica actum
esset! Tullius: Sed quid fiet, si eum hodie sustulerimus? Nonne verendum est,
ne vulgus clamet summam inuriam factam esse? Saepe enim fit, ut multitudo eos,
quibus vivis suscensuerit, mortuos in caelum tollat. Brutus: Si quis hoc futurum
esse credat, erret; nam quis dubitet, quin vulgus quoque eum oderit, de quo
in muris hoc scriptum legat: "Brutus, quia reges eiecit, consul primus
factus est; hic, quia consules eiecit, rex postremo factus est."
Übersetzung:
Brutus: Wem entgeht, was Caesar will, dass geschieht? Das tut er nur, um König
zu werden, damit es keine Grenze seiner Maßlosigkeit und seiner Begierde
gibt! Wenn das geschähe, wäre es um die freie Republik geschehen!
Tullius: Aber was wird geschehen, wenn wir ihn heute töten? Muss man nicht
fürchten, dass das Volk ruft, es sei ein ungeheures Unrecht geschehen?
Oft nämlich geschieht es, dass die Menge jene, gegen die es zu ihren Lebzeiten
wutentbrannt war, als Tote in den Himmel erhebt. Brutus: Wenn jemand glauben
könntem das werde geschehen, so irrt er wohl. Denn wer könnte bezweifeln,
dass das Volk auch den hasst, über den man auf Mauern geschrieben lesen
kann: "Brutus wurde zum ersten Konsul gemacht, weil er die Könige
vertrieben hat, und dieser hier ist schließlich zum König gemacht
worden, weil er die Konsuln hinausgeworfen hat."
Caesar und sein Glück
Text:
Quis dubitet, quin Caesar fortissimus, immo vero audacissimus fuerit? Aliquando,
cum praemissis in Asiam copiis Hellespontum parva nave traiceret, decem navibus
adversariorum accendentibus non fuga salutem petivit, sed cursum tenuit rectum.
Et si quis credat eum iam satis temere egisse, erret - nam Caesar hostium deditionem
poposcit! Quis umquam arbitraretur eos Caesare cognito se supplices dedituros
esse! Cum certior factus esset Pharnacem regem magna Asiae parte potitum esse,
cum tribus legionibus contra eum profectus est. Tum vero cerneres, quantum confectum
est. Qua de victoria Caesar amicum quendam hoc nuntio certiorem fecit: "VENI,
VIDI, VICI!"
Übersetzung:
Das Glück hilft den Tüchtigen
Wer könnte bezweifeln, dass Caesar der tapferste, ja vielleicht sogar
der kühnste Mann gewesen ist? Einst, als er seine Truppen nach Asien vorausgeschickt
hatte und den Hellespont auf einem kleinen Schiff überquerte, suchte er
sein Heil nicht in der Flucht, als sich zehn Schoffe seiner Gegner näherten,
sondern behielt den geraden Kurs bei. Und wenn jemand glaubt, er habe schon
ausreichend unüberlegt gehandelt, der irrt: Denn Caesar verlangte die Kapitulation
der Feinde.Wer hätte jemals glauben können, dass diese - nachdem sie
Caesar erkannt hatten - sich ihm unterwürfig ergeben würden! Als er
erfahren hatte, dass Pharnaces sich einese großen Teils Asiens bemächtigt
hatte, brach er mit drei Legionen gegen ihn auf. Da freilich hättest du
sehen können, wieviel vollbracht wurde. Über diesen Sieg verständigte
Caesareinen Freund mit diese Nachricht: "Ich kam, sah, siegte!"
Text:
COLUMBIA TUTO DESCENDIT:
Navicula spatialis nomine Columbia in aerodronum
Floridianum feliciter descedit. Gubernatrix eius erat Eileen Collins, ante quam
nulla umquam femina volatui spatiali praefuit. Inter volatum quinque dierum
astronautae in orbita circumterranea stationem posuerunt, qua radii Roentgeniani
observarentur. Investigatores sperant fore, ut per illam aliquid novi de foraminibus
nigris spatii cosmici comperiant.
Übersetzung:
Columbia landete sicher:
Das Raumschiff mit dem Namen Columbia ist sicher zum Weltraumhafen Florida
(in Florida) hinabgeflogen (etwas freier kann man auch mit "landen"
übersetzen, nur kommt dann der Akkusativ der Richtung nach "in"
nicht mehr so gut zur Geldtung). Ihre Lenkerin war Eileen Collins, vor der keine
Frau jemals Leiterin eines Raumfluges war. Während des Fluges von fünf
Tagen haben die Astronauten einen Satelliten in einer Erdumlaufbahn ausgesetzt,
mit dem die Röntgenstrahlen untersucht werden sollen (Konjunktiv!). Forscher
hoffen, (es werde geschehen, dass sie) dadurch etwas Neues über die schwarzen
Löcher des Weltraum zu erfahren.
Text:
Midas rex aliquando a Baccho petivit: "Effice, ut, quidquid tetigero, aurum
fiat." Deus ei satisfecit et respondit: "Fiat, quod voluisti. Quidquid
tetigeris, aurum fiet." Ac profecto aurum fiebat, quidquid rex tetigerat.
Cum etiam cibi, quos dentibus conficere parabat, aurei facti essent, periculum
erat, ne fame moreretur. Itaque deum imploravit, ut munus re-vocaret, ne omnia,
quae tetigisset, aurea fierent. Iussu dei rex tandem aquam Pactoli fluminis
intravit visque, qua omnia, quae tetigerat, aurea facta erant, in flumen cessit.
Übersetzung:
König Midas verlangte einst von Bacchus: "Bewirke, dass zu Gold wird,
was auch immer ich berührt habe." Der Gott erfüllte seinen Wunsch
und antwortete: "Es soll geschehen, was du wolltest. Was auch immer du
berührt hast, wird zu Gold werden." Und tatsächlich wurde zu
Gold, was auch immer der König berührt hatte, Als auch die Speisen,
die er mit den Zähnen beissen wollte, zu Gold wurden, bestand die Gefahr,
dass er an Hunger sterbe. Daher flehte er den Gott an, dass er die Gabe widerrufe,
damit nicht alles, was er berührt habe, zu Gold werde. Auf Befahl des Gottes
betrat der König schließlich das Wasser des Flusses Pactolus und
die Kraft, wodurch allesm was er berührt hatte, zu Gold wurde, wich in
den Fluss.
Text:
Non defuerunt, a quibus Caesar certior fieret coniurationem factam esse. Neque
tamen momentibus aures dedit. Sic fieri potuit, ut insidiae multis notae non
patefierent. Ea vero nocte, quam secutus est dies caedis, Caesar sibi supra
nubes volare visus est, ac repente cubiculi fores sponte patefactae sunt. Hoc
ob somnium diu cunctatus quinta demum hora monente Bruto in senatum progressus
est. Considentem coniurati circumdederunt, et Tullius Cimber, qui primas partes
susceperat, quasi aliquid rogaturus propius accessit. Sed Caesar: "Alio
tempore", inquit, "tibi satisfiet." Subito fit impetus in eum.
"Ista quidem vis est!" clamat, cum se undique peti videat; Bruto autem
irruenti: "Et tu", inquit, "mi fili?"
Übersetzung:
Es fehlte nicht an Leuten, die Caesar davon informierten, dass eine Verschwörung
gemacht worden sei. Aber er schenkte den Warnenden keine Aufmerksamkeit (Gehör,
Ohren). So konnte es geschehen, dass der vielen bekannte Hinterhalt nicht aufgedeckt
wurde. In jener Nacht freilich, welcher der Tag der Ermordung folgte, sah Caesar
sich übr den Wolken fliegen, und plötzlich wurden die Türen des
Schlafzimmers von selbst geöffnet. Wegen dieses Traumes zögerte Caesar
lange, zur fünften Stunde aber brach er wegen des ihn ermahnenden Brutus
zum Senat auf. Als er sich setzte, umgaben ihn die Verschwörer, und Tullius
Cimber, der die ersten Teile übernommen hatte, ging näher zu ihm hin,
als ob er ihn um etwas bitten wolle. Aber Caesar sagte: "Zu einer anderen
Zeit wird man es dir gewähren." Plötzlich kommt es zu einem Angriff
auf ihn. "Das ist doch Gewalt!" ruft er, als er sieht, dass er von
allen Seiten eingeschlossen ist. Als Brutus auf ihn einstürmt, fragt er:
"Auch du, mein Sohn?"
Text:
Cervus placidissimum animal est. Urgentibus canibus ultro confugiunt ad hominem.
Catulos exercent cursu et fugere docent, ad praerupta ducunt saltumque demonstrant.
Semper in fuga acquiescunt stantesque respiciunt; cum adversarii appropinquaverunt,
rursus fuga salutem petunt. Fugiunt autem, latratu canum audito, secunda semper
aura, ut vestigia cum ipsis evanescant. Cum erexerunt aures, acerrimi sunt auditus;
cum aures remiserunt, surdi. Ceterum animal simplex est et omnibus rebus novis
stupens ita, ut equo aut bucula propius accedente hominem iuxta venantem non
cernant aut, si cernant, arcum ipsum sagittasque mirentur.
Mares cornua habent solique animalium ea omnibus annis certo veris tempore amittunt.
Ista die loca quam maxime invia petunt. Latent cornibus amissis velut inermes.
Quamdiu carent cornibus, noctu procedunt ad pabula. Increscentia cornua, solis
vapore durant atque arboribus experiuntur. Ubi placuit robur, in aperta prodeunt.
Captique iam cervi sunt hedera in cornibus viridante, quae teneris cornibus
ex attritu arborum innata est.
Fuerunt aliquando etiam cervae candido colore. Talem fuisse tradunt Q. Sertori
cervam. Quam esse fatidicam Hispaniae gentibus persuaserat.
Übersetzung:
Der Hirsch ist ein sehr sanftes Tier. Vor den ihn bedrängenden Hunden fliehen
sie sogar zum Menschen. Sie trainieren ihre Kälber und lehren sie zu fliehen,
führen sie zu schroffen Felsen und zeigen ihnen die Schlucht. Immer auf
der Flucht rasten sie sich aus und wenn sie stehen, blicken sie zurück;
wenn sich die Feinde genähert haben, streben sie wieder durch die Flucht
die Rettung an. Nachdem sie das Bellen der Hunde gehört haben, fliehen
sie immer mit dem Wind, damit sich die Spuren zusammen mit ihnen verflüchtigen.
Wenn sie die Ohren üben (spitzen?), ist ihr Gehörsinn sehr scharf.
Wenn sie die Ohren herabgelassen haben, sind sie taub. Der Rest des Tieres ist
einfältig und staunt über alle neuen Dinge so, dass sie einen mit
dem Pferd oder einem Kuh näher kommenden Menschen neben einem Jagenden
nicht bemerken oder, wenn sie ihn bemerken, den Bogen selbst und die Pfeile
bestaunen.
Die Männchen haben Hörner und als einzige der Tiere verlieren sie
diese in allen Jahren zur Zeit des Frühlings. An diesem Tag suchen sie
möglichst unwegsame Gegenden auf. Sie verbergen sich, nachdem sie das Geweih
verloren haben, als wären sie unbewaffnet. Obwohl sie keine Hörner
haben, gehen sie in der Nacht auf die Weide. Die wachsenden Hörner werden
durch die Hitze der Sonne und hart und sie erproben sie an Bäumen. Sobald
ihnen die Kraft gefiel (... die Kraft es zulässt), gehen sie aufs offene
Feld. Es wurden schon Hirsche gefangen mit grünendem Efeu auf den Hörnern,
das den weichen Hörnern durch das Anreiben an Bäumen eingepflanzt
wurde.
Es gab auch einmal Hirschkühe von weisser Farbe. Quintus Sertorius soll
eine solche Hirschkuh besesen haben. Er hatte die Stämme Spaniens davon
überzeugt, dass sie die Zukunft voraussagen könne.
Text:
Duo fuerunt maximi uniones per omnem aevum; utrumque possedit Cleopatra, Aegypti
reginarum novissima. Haec, cum exquisitis Antonius saginaretur epulis, contendit
una se cena centiens HS absumpturam esse. Cupiebat discere Antonius - sed fieri
posse non arbitrabatur. Ergo - sponsionibus factis - postero die, quo iudicium
agebatur, magnificam alias cenam, sed cotidinam Antonio adposuit - irridenti
et computationem expostulanti. At illa corollarium id esse dixit - et confirmans
solam se centiens HS cenaturam inferri mensam secundam iussit. Ex praecepto
ministri unum tantum vas ante eam posuerunt aceti, cuius asperitas in tabem
margaritas resolvit. Gerebat in auribus illud vere unicum naturaeopus: itaque
(exspectante Antonio, quidnam esset actura) detractum alterum mersit et liquefactum
obsorbuit.
Übersetzung:
Es gab zwei sehr große Perlen seit sehr langer Zeit. Beide besaß
Kleopatra, die letzte der Königinnen Ägyptens. Als Antonius mit erlesenen
Speisen bewirtet wurde, behauptete sie, dass sie in einem Mahl je 100 Sesterzen
verzehren würde. Antonius wollte es erfahren (lernen), aber er glaubte,
dass man das nicht machen könne (dass das nicht geschehen könne).
Am darauffolgenden Tag also, nachdem sie die Wette abgeschlossen hatten und
an dem das Urteil gefällt wurde, setzte sie Antonius ein sonst großartiges,
(bei ihr) aber gewöhnliches Menü vor, wobei dieser sie auslachte und
eine Rechnung verlangte. Aber jene sagte, das sei ein Geschenk, beharrte darauf,
dass sie allein 100 Sesterzen verspeisen werde und ließ ein zweites Mahl
hereintragen. Wie sie es verlangt hatte, brachten die Diener ein riesiges Gefäß
mit Essig und stellten es vor sie hin, dessen Säure Perlen zu Schlamm (Flüssigkeit?)
auflöste. Sie trug dieses wahrlich einzigartige Werk der Natur an ihren
Ohren. Während Antonius wartete, was sie tun würde, löste sie
eine abgenommene auf und schlürfte sie in Form der Flüssigkeit (aufgelöst).
Text:
Ministra apta notas missas accipiat. Inspice, quodcumque leges, et collige ex
ipsis verbis, utrum vir fingat an sollicitus et ex animo roget! Postque brevem
moram rescribe! Mora semper amantes incitat, si modo tempus exiguum habet. Sed
neque te facilem iuveni roganti promitte neque id nega, quod petit. Fac, ut
timeat speretque simul. Scilicet custos obstabit, ne scribere possis. Sed conscia
tabellas scriptas portare potest, quas in sinu tepido fascia lata tegat. Si
haec quoque custos caveat, illa pro charta tergum praebat; inque corpore suo
verba ferat. Littera quoque e lacte recenti tuta est et oculos fallit. Si pulverem
carbonis sparseris, leges. Scribite verba munda, sed e mundio et consueta, puellae!
Forma sermonis publici placet. Quotiens amator dubius scriptis exarsit! Quotiens
lingua barbara formae bonae nocuit!
Übersetzung:
Eine vertrauenswürdige Dienerin soll die geschickten Zeichen (Nachrichten?)
empfangen. Schaue, was auch immer du lesen wirst, und schließe aus den
Worten selbst, ob der Liebhaber etwas vorspielt oder ob er besorgt ist und aus
dem Herzen fragt! Und nach einer kurzen Zeit (Pause, Verzögerung) schreibe
zurück! Eine Verzögerung stachelt Liebende immer an, wenn es nur eine
kurze Zeitspanne ist. Aber mache dem jungen Liebhaber weder leichtfertigen Versprechungen
(= versprich ... nicht, dass du leicht zu haben seist) noch lehne das ab, was
er verlangt. Mache, dass er zugleich fürchtet und hofft. Vielleicht hindert
dich ein Aufpasser daran, dass du schreiben kannst. Aber eine Mitwisserin kann
die beschriebenen Tafeln tragen, die sie in ihrem warmen Schoß mit den
getragenen Binden verdeckt. Wenn der Wächter auch darauf aufpassen sollte,
bietet jene für das Schriftstück den Rücken (praebat? Ich habe
so getan, als stünde hier praebet); und sie soll die Worte in ihrem Körper
tragen. Auch ein Brief aus frischer Milch ist sicher und täuscht die Augen.
Wenn du Kohlenstaub verstreust, wirst du es lesen. Schreibt elegante Worte,
aber ??? (e mundio? ... kenne ich nicht) und gewohnte, Mädchen! Die Form
einer allgemeinen Sprache gefällt. Wie oft entbrannte ein unschlüssiger
Liebhaber durch Worte! Wie oft schadete eine ungehobelte Sprache einer schönen
Figur!
Text:
Nec te certamen equorum nobilium fugiat! Nam Circus multa commoda novo amori
praebet. Ibi nihil opus est digitis, per quos arcana loquaris, nec tibi nota
per nutus accipienda est. Nam proximus a puella - nullo prohibente - considere
potes. Iunge usque, qua potes, tuum latus lateri eius. Et bene accidit, quod
lege loci puella tibi tangenda est. Hic originem sermonis quaeres et verbis
publicis in sermonem ingredi potes. Primum studiose requiras, cuius equi veniant.
Nec mora! Fave ille, quicumque erit, cui illa favet. Si forte - ut saepius fit
- pulvis in gremium puellae deciderit, tibi digitis excutiendus est. Etsi nullus
pulvis erit, tamen nullus excute! Quaelibet causa tuo officio apta sit! Respice
praeterea, ne is, qui post vos sedebit, tergum molle puellae genu opposito premat.
Si pallium nimium demissum in terra iacebit, sume id et sedulus humo tolle!
Statim tibi continget, ut - officii pretium! - eius crura tuis oculis videas.
Multis iam utile fuit pulvinum manu facili puellae obtulisse. Profuit quoque
tenui tabella ventos movisse. Parva enim officia animos leves capiunt. Hos aditus
novo amori circus praebit.
Nunc incipio tibi dicere, per quas artes puella, quae placuit, capienda est.
Hoc enim est opus praecipuae artis. Imprimis tibi fiducia sit cunctas puellas
posse capi. Quas cpaies, si tu modo plagas tendis. Femina blande temptata iuveni
non repugnat. Utque viro venus furtiva grata est sic puellae. Vir id male dissimulat,
illa tectius cupit. E multis puellis vix erit una, quae neget. Eae quouque,
quae negant, tamen gaudent, qoud rogate sunt. Ut iam fallaris, repulsa sine
periculo est. Sed cur fallaris, cum nova voluptas grata sit?
Übersetzung:
Und du sollst nicht den Wettkampf der edlen Pferde vergessen! Denn der Zirkus
bietet viele Vorteile für eine neue Liebe. Dort brauchst du nicht die Finger,
um durch geheime Zeichen zu sprechen, und du musst auch keine Zeichen durch
das Nicken empfangen. Denn du kannst dich ganz nahe zur Geliebten setzen, da
niemand im Weg ist. Bringe so nahe wie du kannst deinen Körper zu ihrem.
Und es trifft sich gut, dass du wegen der Verhältnisse des Ortes das Mädchen
berühren musst. Hier wirst du den Anfang eines Gespräches suchen und
du kannst mit allgemeinen Worten ins Gespräch kommen. Zuerst sollst du
eifrig fragen, wessen Pferde kommen. Keine Langsamkeit! Begeistere dich für
den - wer auch immer es sein wird -, zu dem sie hält. Wenn vielleicht,
wie es (allzu) oft geschieht, Staub auf den Schoß des Mädchens gefallen
ist, musst du ihn mit den Fingern wegwischen. Und auch wenn kein Staub sein
wird, wische dennoch keinen weg! <so tun als ob *lol*> Jeder beliebige
Anlass möge deinem Bestreben dienlich sein! Achte zuvor darauf, dass nicht
der, welcher hinter euch sitzen wird, den zarten Rücken der Freundin mit
seinem entgegengestellten Knie drückt. Wenn der allzu sehr herabgelassene
Rock auf die Erde fällt, nimm´ ihn und hebe ihn eifrig vom Boden
auf! Sofort wird es dir gelingen, dass du - als Preis für deinen Dienst
- ihre Beine mit deinen Augen siehst. Vielen schon ist es nützlich gewesen,
mit williger Hand dem Mädchen ein Sitzkissen angeboten zu haben. Es war
auch von Nutzen, mit einem zarten Fächer Wind zugefächelt zu haben.
Kleine Gefälligkeiten fangen leichtfertige Gemüter. Diese Zugänge
wird der Zirkus für eine neue Affaire bieten.
Nun fange ich an dir zu sagen, durch welche Arten ein Mädchen, das dir
gefallen hat, zu bekommen (fangen) ist. Dafür braucht man nämlich
eine besondere Kunst. Besonders soll dir Zuversicht geben, dass alle Mädchen
gewonnen werden können. Du wirst sie gewinnen, wenn du dich nur anstrengst.
Eine schmeichlerisch in Versuchung geführte Frau leistet einem jungen Mann
keinen Widerstand. Und wie dem Mann eine heimliche Affäre willkommen ist,
so ist sie das auch der Geliebten. Der Mann täuscht das schlecht vor, sie
wünscht es verdeckter. Von vielen Mädchen wird kaum eine sein, die
es ablehnen könnte. Auch jene, die ablehnen, freuen sich dennoch darüber,
dass sie gefragt wurden. Wenn du auch einmal enttäuscht wirst, so ist die
Zurückweisung ohne Gefahr. Aber warum solltest du abgewiesen werden, wenn
eine neue Liebschaft willkommen ist?
Text:
Daedalus interea Creten longumque perosus
exilium tactusque loci natalis amore
clausus erat pelago. 'Terras licet' inquit 'et undas
obstruat, at caelum certe patet; ibimus illac!
Omnia possideat, non possidet aera Minos'.
Dixit et ignotas animum dimittit in artes
naturamque novat. Nam ponit in ordine pennas,
a minima coeptas, longam breviore sequente,
ut clivo crevisse putes: sic rustica quondam
fistula disparibus paulatim surgit avenis.
Tum lino medias et ceris adligat imas
atque ita compositas parvo curvamine flectit,
ut veras imitetur aves. Puer Icarus una
stabat et ignarus sua se tractare pericla
ore renidenti modo, quas vaga moverat aura,
captabat plumas, flavam modo pollice ceram
mollibat lusuque suo mirabile patris
impediebat opus. Postquam manus ultima coeptis
imposita est, geminas opifex libravit in alas
ipse suum corpus motaque pependit in aura.
Instruit et natum 'medio' que 'ut limite curras,
Icare,' ait 'moneo, ne, si demissior ibis,
unda gravet pennas, si celsior, ignis adurat.
Inter utrumque vola. Nec te spectare Booten
aut Helicen iubeo strictumque Orionis ensem:
me duce carpe viam!' Pariter praecepta volandi
tradit et ignotas umeris accomodat alas.
Übersetzung:
Daedalus, dem inzwischen Kreta und da lange Exil (= das lange Exil auf Kreta
... war) verhasst waren und der von der Liebe zu seinem Geburtsort erfüllt
war, war vom Meer eingeschlossen. "Mag er auch die Länder und die
Wellen verschließen, der Himmel steht doch gewiss offen; auf diesem Weg
werden wir gehen! Alles mag er besitzen, die Luft besitzt Minos nicht."
Sprachs und wandte seinen Geist unbekannten Künsten zu und veränderte
die Natur. Schon legte er die Federn in eine Ordnung, begonnen bei der kleinsten,
sodass eine kürzere auf eine lange folgte, sodass du glauben könntest
(konntest), sie sei auf einem Abhang gewachsen: So steigt das Rohr (Grundmaterial
für die Hirtenflöte) mit ungleichen Rohren allmählich empor.
Dann verband er mit einem Faden die mittleren und mit wachs die inneren und
bog die so zusammengestellten Federn zu (mit) einer kleinen Krümmung, um
die Vögel nachzahmen. Der Knabe Ikarus stand dabei und unwissend, dass
er mit seinen Gefahren spielte, fing er bald mit lachendem Gesicht die Federn,
welche die unstete Luft bewegt hatte, bald knetete er das gelbe Wachs mit dem
Daumen und behinderte durch sein Spiel das wunderbare Werk des Vaters. Nachdem
dem Vorhaben letzte Hand angelegt worden war, brachte der Handwerker die beiden
Flügel und seinen Körper selbst ins Gleichgewicht und schwebte in
der bewegten Luft.
Er unterrichtete auch den Sohn: "Dass du auf der mittleren Bahn fliegst,
Icarus, ermahne ich dicht, damit nicht, wenn du tiefer fliegst, die Welle die
Schwingen beschwert, und das Feuer sie verbrennt, wenn du höher fliegst.
Fliege zwischen beidem! Ich befehle dir, dass du weder den Bootes anschaust
noch die Helice oder das gezückte Schwert des Orion: Nimm den Weg unter
meiner Führung." Zugleich teilte er ihm die Vorschriften des Fliegens
mit und passte die fremden Schwingen den Schultern an.
Text:
Cum corvus caseum de fenestra raptum
comesse vellet celsa in arbore residens,
vulpes hunc vidit, deinde sic coepit loqui:
"O corve, qui nitor est tuarum pennarum!
Quantum decoris corpore et vultu geris!
Si vocem haberes nulla ales prior foret."
At ille stultus dum vult vocem ostendere
emisit ore caseum, quem celeriter dolosa
vulpes avidis dentibus rapuit. Tum demum
ingemuit deceptus stupor corvi.
deceptus sum ... ich bin getäscht worden
stultus eram ... ich war dumm
Übersetzung:
Als ein Rabe das aus einem Fenster geraubte Stück Käse essen wollte und auf einem
hohen Baum saß, sah ihn ein Fuchs und begann daraufhin so zu sprechen: "O Rabe,
welch Glanz haben deine Federn! Welch große Anmut trägst du in Gestalt und Antlitz!
Wenn du eine (schöne) Stimme hättest, wäre dir kein Vogel überlegen."
Aber als jener Dummkopf seine Stimme zeigen wollte, ließ er den Käse aus dem Mund
fallen, den der listige Fuchs rasch mit gierigen Zähnen packte. Da schließlich seufzte
der getäuschte Rabe über seine Dummheit.
Text:
Nos, quantum potuimus, conati sumus eos dissuadere et ab his pravis
moribus dimovere; qui et si eos dimissuros nobis promiserunt.
Mulieres (ut dixi) etsi nudae incedant et libidinosissimae sint,
earum tamen corpora habent satis formosa et munda. Neque tam turpes
sunt, quantum quivis forsan existimare posset, quia, quoniam carnose
sunt, minus apparet earum turpitudo; quae scilicet pro maiore
perte a bona corporatura qualitate operta est. Mirum nobis visum
est, quod inter eas nulla videbatur, quae haberet ubera caduca;
et quae parturierant, uteri forma et contractu nihil distinguebantur
a virginibus et in reliquis corporum partibus similia videbantur,
quae propter honestatem consulto praetereo. Quando se christianis
iungere poterant, nimia libidine pulsae omnem pudicitiam contaminabant
atque prostituebant.
Vivunt annis centum quinquaginta et raro qegrotant. Et, si quam
adversam valetudinem incurrunt, se ipsos cum quibusdam herbarum
radicibus sanant. Haec sunt, quae notabiliora apud illos cognovi.
Aër ibi valde temperatus est et bonus; et, ut ex relatione
illorum cognoscere potui, numquam ibi pestis aut aegrotatio aliqua,
quae a corrupto proderat aere. Et, nisi morte violenta moriantur,
longa vita vivunt. Credo, quia ibi semper perflant venti australes
et maxime, quem nos Eurum vocamus; qui talis et illis, qualis
nobis est Aquilo.
Sunt studiosi piscaturae. Et illud mare piscosum est et omni genere
piscium copiosum. Non sunt veneratores. Puto, quia, cum ibi sint
multa animalium silvestrium genera - et maxime leonum et ursorum
et innumerabilium serpentum aliarumque horridarum atque deformium
bestiarum - et etiam cum ibi longe lateque pateant silvae et immensae
magnitudinis arbores, non audent nudi atque sine tegminibus et
armis tantis se discriminibus exponere.
Regionum illarum terra valde fertilis est et amoena multisque
collibus et montibus et infinitis vallibus et maximis fluminibus
abundans; et salubribus fontibus irrigua et latissimis silvis
et densis vixque penetrabilibus omnique ferarum genere plenis
copiosa. Arbores maximae ibi sine cultore perveniunt.Quarum multae
fructus faciunt gustui delecttabiles et humanis corporibus utiles,
nonnullae vero contra; et nulli fructus ibi his nostris sunt similes.
Giguntur et ibi innumerabilia genera herbarum et radicum, ex quibus
panem conficiunt et optima pulmentaria. Habent et multa semina
his nostris omnino dissimilia.
Nulla ibi metallorum genera habent praeter auri; cuius regiones
illae exuberant, licet nihil ex eo nobiscum attulerimus in hac
prima nostra navigatione. Id nobis notum fecere incolae, qui affirmabant
in mediterraneis magnam esse auri copiam et nihil ab eis aestimari
vel in pretio haberi. Abundant margaritis, uti alias tibi scripsi.
Si singula, qae ibi sunt, commemorare et de numerosis animalium
generibus eorumque multitudine scribere vellem, res esset omnino
prolixa et immensa. Et certe credo, quod Plinius noster millesimam
partem non attigerit generis psittacorum reliquarumque avium necnon
et animalium, quae in iisdem regionibus sunt cum tanta facierum
atque colorum diversitate, quod consummatae picturae artifex Policletus
in pingendis illis deficeret.
Übersetzung:
So sehr wir konnten, haben wir versucht, ihnen
abzuraten und sie von diesen falschen Sitten abzubringen. Und
jene versprachen uns das auch, wenn wir sie freilassen würden.
Auch wenn die Frauen, wie ich gesagt habe, nackt umhergehen und
lüstern sind, haben sie dennoch ausreichend ansehnliche und
saubere Körper. Und sie sind nicht hässlich, wie man
das vielleicht glauben könnte, und deswegen, weil sie etwas
beleibt sind, sind ihre Geschlechtsteile weniger zu sehen; diese
werden whl zum Großteil von der guten körperlichen
Gestalt bedeckt. Uns erschien es seltsam, dass unter ihnen keine
zu sein schien, die herabhängende Brüste hatte. Auch
jene, die ein Kind geboren hatten, unterschieden sich der Form
und Spitzigkeit überhaupt nicht von den Jungfrauen. Auch
bei den übrigen Teilen der Körper zeigte sich Ähnliches,
was ich wegen der Anständigkeit absichtlich übergehe.
Wenn sie sich den Christen anschließen konnten, gaben sie
jedwede Scham auf von allzu großer Lust getrieben und gaben
sich preis. Sie leben 150 Jahre lang, werden selten krank, und
wenn sie eine Krankheit bekommen, so heilen sie sich selbst mit
den Wurzeln gewisser Kräuter. Das sind die erwähnenswerten
Dinge, die ich bei jenen erfahren habe.
Das Klima ist dort sehr gemäßigt und gut. Und, wie
ich von deren Erzählung erfahren konnte, gab es dort niemals
eine Seuche oder eine Krankheit, die von einem verdorbenen Klima
herrührte. Und auch wenn sie eines gewaltsamen Todes sterben,
leben sie ein langes Leben. Ich glaube, der Grund ist der, dass
dort immer südliche Wunde wehen und am meisten der, den wir
den "Eurus" (Südostwind) nennen; dieser ist für
jene so beschaffen wie für uns der Aquilo (Nordwind).
Sie sind eifrig beim Fischfang. Und dort ist das Meer reich
an Fischen und zwar an jeder Art von Fischen. Sie sind keine Jäger.
Das ist meiner Meinung nach deshalb so, weil dort viele Waldtierarten
leben - und am meisten Löwen, Bären, zahllose Schlangen
und andere schreckliche und unförmige Tiere - und auch wenn
dort die Wälder weit und breit offenstehen und es eine riesige
Zahl von Bäumen gibt, wagen sie nicht nackt und ohne Schutz
und Waffen sich solchen Gefahren auszusetzen.
Das Land jener Gegenden ist sehr fruchtbar, lieblich und reich
an vielen Hügeln und Bergen und grenzenlosen Tälern
und gewaltigen Flüssen. Mit sauberen Quellen bewässert
und ertragreich durch sehr weite Wälder, die dicht sind,
kaum durchdringbar und voll von wilden Tieren jeder Art. Die größten
Bäume wachsen dort ohne Pfleger. Von ihnen machen sie viele
geschmacklich köstliche Früchte, die auch für den
menschlichen Körper nützlich sind, gewiss keine schädlichen.
Und keine Früchte dort sind den unseren ähnlich. Es
wachsen dort auch unzählige Arten von Kräutern und Wurzeln,
aus denen sie Brot und sehr gute Beilagen machen. Sie haben auch
viele Samen, die sich von den unseren völlig unterscheiden.
Sie haben dort keine Arten von Metallen außer Gold; davon
diese Gegenden überströmen, wenn wir auch nichts davon
mitgenommen haben auf dieser unserer ersten Reise. Davon setzten
uns die Einwohner in Kenntnis, die behaupteten, dass es im Binnenland
eine große Menge an Gold gebe, dass es ihnen aber nichts
bedeute und es keinen Wert habe. Und sie haben einen Überfluss
anPerlen, wie ich dir an anderer Stelle geschrieben habe.
Wenn ich jede Einzelheit, die es dort gibt erwähnen und
über die zahlreichen Tierarten und deren Menge schreiben
wollte, wäre das eine langwierige und ungeheure Angelegenheit.
Und gewiss glaube ich, dass unser Plinius nicht auch nur den
tausendsten Teil der Art von Papageien und anderen Vögeln
und erst recht nicht von Landtieren erwähnt hat, die es in
diesen Gegenden gibt mit einer so großen Verschiedenheit
von Gestalten und Farben, dass ein Meister der vollendeten Malkunst,
Polcletus, bei ihrem Malen scheitern würde.
Text 1:
O Fortuna velut luna statu variabilis, semper crescis aut decrescis;
vita detestabilis nunc obdurat et tunc curat ludo mentis aciem,
egestatem, potestatem dissolvit ut glaciem. Sors immanis et inanis,
rota tu volubilis, status malus, vana salus semper dissolubilis,
obumbrata et velata michi quoque niteris; nunc per ludum dorsum
nudum fero tui sceleris. Sors salutis et virtutis michi nunc contraria,
est affectus et defectus semper in angaria. Hac in hora sine mora
corde pulsum tangite; quod per sortem sternit fortem, mecum omnes
plangite!
Übersetzung 1:
O Glück, wie der Mond, vom Stand unsicher, immer wächst
und schrumpfst du; das schmähliche Leben macht jetzt hart und bald
sorgt das Spiel des Geistes für Schärfe; Armut und Macht
löst sie auf wie Eis.
Furchtbares und nichtiges Schicksal, du bewegliches Rad, ein schlechter
Stand, unnützes Heil, das immer auflösbar ist, verhüllt
und verborgen ist mit, worauf auch immer du dich stützt (stützen
wirst); jetzt trage ich durch das Spiel den nackten Rücken
deiner Untat.
Das Schicksal des Heils und der Tugend ist mir jetzt feindlich,
immer geschwächt und ermattet im Frondienst. In dieser Stunde
berührt ohne Verzögerung den Schlag durch das Herz.
Weil es durch das Schicksal den Tapferen schlägt, klagt alle
mit mir!
Text 2:
Ver redit optatum cum gaudio, flore decoratum purpureo. aves
edunt cantus quam dulciter! revirescit nemus, cantus est amoenus
totaliter. Iuvebes ut flores accipiant, et se per odores reficiant.
virginis assumant alacriter et eant in prata floribus ornata communiter!
Übersetzung 2:
Der gewünschte Frühling kehrt mit Freude zurück,
geschmückt mit einer purpurnen Blüte. Wie süss
singen die Vögel! Der Hain ergrünt, der liebliche Gesang
ist überall. Wenn die jungen Leute die Blumen pflücken,
mögen sie sich durch die Düfte erholen. Die jungen Mädchen
sollen sie sich feurig dazunehmen und gemeinsam über die
blumengeschmückten Wiesen gehen!
Text 3:
Ecce gratium et optatum ver reducit gaudia. purpuratum floret
pratum, sol serenat omnia. iamiam cedant tristia! aestas redit
hiemis saevitia. Iam linquescit et decrescit grando, nix et cetera;
bruma fugit, et iam sugit ver aestatis ubera. illimens est misera,
qui nec vivit nec lascivit sub aestatis dextera. Gloriantur et
laetantur in melle dulcedinis, qui conantur, ut utantur praemio
Cupidinis. simus iussu Cypridis gloriantes et laetantes pares
esse Paridis!
Übersetzung 3:
Siehe, der willkommene und gewünschte Frühling bringt
die Freuden zurück. Es blüht das Gras purpurn, die Sonne
erleuchtet alles. Schon weicht die Traurigkeit. Der Sommer kehrt
zurück, die Strenge des Winters geht jetzt. Schon schmilzt
und schwindet der Frost, der Schnee und das übrige. Der Winter
flieht, und schon erhebt sich der Frühling, die Fülle
des Sommers. Jenem ist der Sinn elend (illi mens! *lol*), der
nicht lebt und sich nicht gehen lässt unter dem Versprechen
des Fühlings. Es preisen und freuen sich im Honig der Süße
jene, die versuchen, welche die Belohnung Cupidos verwenden. Preisen
wir uns auf Befehl der Cypris und freuen wir uns darüber,
dass wir Paris gleich sind!
Text 4:
In taberna quando sumus,
non curamus,quid sit humus,
sed ad ludum properamus,
cui semper insudamus.
Quid agatur in taberna,
ubi nummus est pincerpa,
hoc est opus,ut quaeratur;
sed quid loquar,audiatur!
Quidam ludunt,quidam bibunt,
quidam indiscrete vivunt.
Sed in ludo qui morantur,
ex his quidam denudantur;
quidam ibi vestiuntur,
quidam saccis induuntur.
Ibi nullus timet mortem,
sed pro Baccho mittunt sortem.
Primo pro nummata vini,
ex hac bibunt libertini:
Semel bibunt pro captivis,
post haec bibunt ter pro vivis,
quater pro Christianis cunctis,
quinquies pro fidelibus defunctis,
sexies pro sororibus vanis,
septies pro militibus silvanis.
Octies pro fratribus perversis,
novies pro monachis dispersis,
decies pro navigantibus,
undecies pro discordantibus,
duodecies pro paenitentibus
tredecies pro iter agentibus.
Tam pro papa quam pro rege
bibunt omnes sine lege.
Bibit era,bibit erus,
bibit miles,bibit clerus,
bibit ille,bibit illa,
bibit servus cum ancilla,
bibit velox,bibit piger,
bibit albus,bibit niger,
bibit constans,bibit vagus,
bibit rudis,bibit magus.
Bibit pauper et aegrotus,
bibit exul et ignotus,
bibit puer,bibit canus,
bibit praesul et decanus,
bibit soror,bibit frater,
bibit anus,bibit mater,
bibit ista,bibit mater,
bibit ista,bibit ille,
bibunt centum,bibunt mille.
Übersetzung 4:
Wenn wir in der Kneipe sind, kümmern wir uns nicht um
den Tod, sondern eilen zum Spiel, bei dem wir immer schwitzen.
Was im Gasthaus vor sich geht, wo die Münze Kellner ist,
das ist nätig, dass man fragt, aber was ich sage, soll man
hören!
Einige spielen, einige trinken, einige leben liederlich. Aber
wer beim Spiel verweilt, von denen werden einige ausgezogen; einige
werden dort eingekleidet, andere mit Säcken angezogen. Dort
fürchtet keiner den Tod, sondern man wählt für
bacchus das Los.
Zuerst die Weine für die Zeche, daraus trinken die Freigelassenen.
Einam trinken sie für die Gefangenen, danach dreimal für
die Lebenden, vielmal für alle verstorbenen Christen, fünfmal
für die verstorbenen Seligen, sechsmal für die gefallenen
Schwestern, sieben Mal für die Raubritter.
Ach mal für die verkehrten Brüder, neun Mal für
die versprengten Mönche, zehn Mal für die Seefahrer,
elf Mal für die Uneinigen, zwölf Mal für die Bereuenden,
dreizehn mal für die Reisenden, und für den Papst ebenso
wie für den König trinken alle ohne Maß und Ziel.
Es trinkt die Frau, es trinkt der Mann, es trinkt der Soldat,
es trinkt der Gesitliche, es tinkt jener, es trinkt jene, es trinkt
der Sklave mit der Magd, es trinkt der Schnelle, es trinkt der
Träge, es trinkt der Weisse, es trinkt der Schwarze, es trinkt
der Beständige, es trinkt der Unstete, es trinkt der Dumme,
es trinkt der Weise.
Es trinkt der Arme und der Kranke, es trinkt der Verbannte und
der Unbekannte, es trinkt der Knabe, es trinkt der Weissharige,
es trinkt der Bischof und der Dechant, es trinkt die Schwester,
es trinkt der Bruder, es trinkt die alte Frau, es trinkt die Mutter,
es trinkt diese, es trinkt jener, es trinken hundert, es trinken
tausend.