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 Betreff des Beitrags: Fallstricke bei der Betonung.
BeitragVerfasst: Do 29. Jul 2010, 16:09 
Dictator
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Registriert: Sa 12. Mai 2007, 03:38
Beiträge: 1513
Ich habe ein paar Wörter zusammengestellt, die im Lat. anders betont werden als das dt. Lehngut und damit Fallstricke sein können:

padoxon – vgl. dt. Paradóx
padigma – vgl. dt. Paragma
thedra – vgl. dt. Kathéder
órganum – vgl. dt. Orgán
calogus – vgl. dt. Katalóg
mon – vgl. dt. Dämón
vana – vgl. dt. gina
ingenus – vgl. dt. indigén
ínteger – vgl. dt. inger
pérfidus – vgl. dt. perde
china – vgl. dt. Maschíne
prodia – vgl. dt. Prosodíe
tintus – vgl. dt. Tínnitus

Ist das so korrekt? Wißt ihr von weiteren dieser Art?

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 Betreff des Beitrags: Re: Fallstricke bei der Betonung.
BeitragVerfasst: Do 29. Jul 2010, 18:31 
Dominus
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Zitat:
dǽmon – vgl. dt. Dämón
Meines Wissens liegt im Deutschen die Betonung auf der ersten Silbe: 'Dämon.


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 Betreff des Beitrags: Re: Fallstricke bei der Betonung.
BeitragVerfasst: Do 29. Jul 2010, 18:52 
Dictator
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Beiträge: 1513
consus hat geschrieben:
Meines Wissens liegt im Deutschen die Betonung auf der ersten Silbe: 'Dämon.
Ich denke dein Einwand ist berechtigt, so ist die Aussprache auf gebildeter Sprachebene, wobei ich Dämón schon häufiger gehört habe. Ob es sich dabei nur um Fehlaussprache oder schon um eine Nebenform auf ugs. Sprachebene handelt weiß ich nicht. U.u. ein ähnliches Szenario wie bei "Parádoxon" und "Paradox" die beide im Dt. – freilich auf zwei verschiedenen Sprachebenen – nebeneinander existieren.

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 Betreff des Beitrags: Re: Fallstricke bei der Betonung.
BeitragVerfasst: Do 29. Jul 2010, 19:07 
Senator

Registriert: So 22. Jul 2007, 23:10
Beiträge: 3910
Wohnort: ad Vindobonam
Gerade bei Fachvokabular sind die Experten oft nicht wirklich des Lateinischen kundig und betonen so, wie sie es für richtig halten. Hört nun der Laie, der weder Mediziner noch Lateiner ist das Wort als tínnitus betont, dann hält es eben so für korrekt. Generationen von Psychologen etc. sprechen fast ausnahmslos von der líbido.
Ich finde freilich, dass diese falsche Aussprache von Fremdwörtern nicht deshalb richtig wird, bloß weil sie auch viele der Fachleute falsch betonen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Fallstricke bei der Betonung.
BeitragVerfasst: Do 29. Jul 2010, 19:23 
Dictator
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Beiträge: 1513
Zythophilus hat geschrieben:
Ich finde freilich, dass diese falsche Aussprache von Fremdwörtern nicht deshalb richtig wird, bloß weil sie auch viele der Fachleute falsch betonen.
D’accord, dann ist man allerdings schon bei der Frage nach der Wertung: ob die eingeschliffenen Fehlbetonungen wie /perfíde/ im Dt. als Fehler zu werten sind. Hier mein Vorschlag einer Antwort. Bei Wörtern, die der Muttersprache schon insoweit angepaßt sind, daß sie nicht mehr die originale Schreibung haben wie z.B. perfide, Organ, Katalog, ist auch eine gewandelte Aussprache gerechtfertigt. Wenn hingegen die Schreibung original-lat. ist, und die Intention auch eine Anlehnung an’s Original (wie bei deinem Beispiel der Libido), dann ist eine abweichende Aussprache eher peinlich und als Fehler zu werten. Es gibt natürlich auch Fälle die zw. diesen beiden Stühlen (Fremdwörter und Lehnwörter) sitzen, bspw. das Wort Prosodíe, was ich als Fremdwort einstufe, weshalb ich auch ebendiese Lautung (/Prosodíe/) als fraglich einstufen würde. Was meinst du?

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 Betreff des Beitrags: Re: Fallstricke bei der Betonung.
BeitragVerfasst: Do 29. Jul 2010, 19:35 
Dominus
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Registriert: Do 27. Jul 2006, 18:56
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Noch etwas:
parádoxon ist die griechische Betonung, im Lat. ist die Paenultima durch Position lang, trägt also den Ton: paradóxon. Ebenso durch Position die Paenultima in parádigma lang, so dass im Lateinischen paradígma zu betonen ist.


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 Betreff des Beitrags: Re: Fallstricke bei der Betonung.
BeitragVerfasst: Do 29. Jul 2010, 19:43 
Dominus
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Da fällt mir noch etwas ein: Gelegentlich hört man im Deutschen Tumór statt Túmor, welch selbiges nur erträglich ist, wenn man genügend Humór besitzt. :grins:


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 Betreff des Beitrags: Re: Fallstricke bei der Betonung.
BeitragVerfasst: Do 29. Jul 2010, 20:14 
Dictator
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Beiträge: 1513
consus hat geschrieben:
Noch etwas:
parádoxon ist die griechische Betonung, im Lat. ist die Paenultima durch Position lang, trägt also den Ton: paradóxon. Ebenso durch Position die Paenultima in parádigma lang, so dass im Lateinischen paradígma zu betonen ist.
Das dürfte wohl auch phántasma und agorá betreffen. Kann man sagen, daß von gebildeten Römern nach griechischem Original betont wurde, kurz, daß es eine allgemeine Ambivalenz bei der Betonung gr.-lt. Fremdwörter gab?

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 Betreff des Beitrags: Re: Fallstricke bei der Betonung.
BeitragVerfasst: Do 29. Jul 2010, 20:29 
Senator

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Beiträge: 3910
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D'acord, Laptop!
Wie ein griech. Fremdwort von den Römern wirklich betont wurde, lässt sich nur in wenigen Fällen nachweisen. Wahrscheinlich war es ein ähnliches Dilemma wie im heutigen Deutsch. Der gebildete Sprecher ahmte die originale Betonung nach, der weniger Gebildete machte es analog zu original lateinischen Wörtern. So kommen eben Lehnwörter zustande.
Wenn ein Fremdwort im Deutschen von der lat. oder griech. Betonung abweicht, so kann das auch durch den Umweg über eine andere Sprache bedingt sein. "Maschine" haben wir e.g. von den Franzosen mitsamt deren Betonung übernommen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Fallstricke bei der Betonung.
BeitragVerfasst: Do 29. Jul 2010, 20:33 
Dominus
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Beiträge: 7054
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Cicero schreibt fin. 4, 74
Zitat:
...haec παράδοξα illi, nos admirabilia...
Vermutlich wurden griechische Wörter, wenn sie noch "unverfälschtes" Griechisch darstellten und als solches empfunden wurden, wie griech. Wörter ausgesprochen, also παράδοξον, aber paradóxum nach Übernahme ins Lateinische. Kühner-Holzweissig dazu (S. 241):
Zitat:
Die aus der griechischen und anderen Sprachen in das Lateinische aufgnommenen Wörter werden den Gesetzen der lateinischen Betonung unterworfen... Erst in der letzten Kaiserzeit nahmen besonders die christlichen Dichter in ihre Verse griechische Wörter mit dem griechischen Accente auf, aber mit Vernachlässigung der Quantität: blásphĕmus βλάσφημος, ídŏlum εἴδωλον usw.


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 Betreff des Beitrags: Re: Fallstricke bei der Betonung.
BeitragVerfasst: Do 29. Jul 2010, 21:20 
Dictator
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Beiträge: 1513
Verstehe, Zypthophile. Consus, bei Tumor sehe ich den Fallstrick nicht so sehr in der verkehrten Betonung (Tumór höre ich eher selten), als vielmehr in der selbst bei amtlicher Aussprache zu langen Quantität, i.e. /Túhmor/ statt dem Lat. gemäß /Túmmor/.

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 Betreff des Beitrags: Re: Fallstricke bei der Betonung.
BeitragVerfasst: Do 29. Jul 2010, 21:51 
Dictator
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Registriert: Sa 27. Nov 2004, 23:43
Beiträge: 1143
unser Deutschlehrer meinte immer, das Wort Katastrophe müsste auf der zweiten Silbe betont werden, ich habe allerdings kein Griechischlexikon, um das zu überprüfen

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No promises, no demands. Love is a battlefield.
(Pat Benatar, Love is a battlefield)


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 Betreff des Beitrags: Re: Fallstricke bei der Betonung.
BeitragVerfasst: Do 29. Jul 2010, 21:57 
Consul

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Beiträge: 207
Spontan würde ich sagen "καταστροφή" ist wie bei Wikipedia endbetont.


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 Betreff des Beitrags: Re: Fallstricke bei der Betonung.
BeitragVerfasst: Do 29. Jul 2010, 22:02 
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Beiträge: 1513
Christophorus hat geschrieben:
unser Deutschlehrer meinte immer, das Wort Katastrophe müsste auf der zweiten Silbe betont werden, ich habe allerdings kein Griechischlexikon, um das zu überprüfen
Das Englische ist mit dieser Theorie auf einer Linie, so spricht man schließlich kəˈtæs.trə.fi.

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 Betreff des Beitrags: Re: Fallstricke bei der Betonung.
BeitragVerfasst: Fr 30. Jul 2010, 11:56 
Dictator
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Beiträge: 1513
Zu den Fallstricken der Quantität (statt der Betonung, daher etwas off-topic) hier noch Nachträge:
hŭmus (Ausnahme von regelm. -ūmus) – vgl. dt. Hūmus
stătus – vgl. dt. Stātus (ebenso stătio, stăbilis, stăbulum)
bŏnus – vgl. dt. Bōnus
fŏlĭum – vgl. dt. Fōlie
sŭper, desŭper – vgl. dt. sūper
vīlla – vgl. dt. Vĭlla

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